Die Kirche aus Knochen in Kutná hora: Tschechiens morbide Schönheit

Eine Kirche aus Knochen zieht immer mehr Besucher nach Kutná hora, der tschechischen Stadt 70 Kilometer östlich von Prag, die durch ihre morbide Sehenswürdigkeit weltweite Berühmtheit erlangte.

Die Kirche aus Knochen befindet sich in Sedlec, einem beschaulichen Vorort Kutná horas, und ist eine gotische Skurrilität von beeindruckender Größe und Ausstattung. Die sterblichen Überreste von etwa 40.000 Menschen sind in der Knochenkirche zu bestaunen und locken stetig wachsende Besucherzahlen in das kleine  Städtchen in Tschechien. Die gesamte Inneneinrichtung dieses sogenannten Beinhauses besteht aus Menschenknochen und Schädeln und bietet einen eindrucksvollen aber auch schaurigen Anblick.

Wie die Kirche aus Knochen entstand

Dem Fürstengeschlecht Schwarzenberg ist es zu verdanken, dass die Sedlecer Kapelle zu dem wurde, was sie heute ist. Die Familie kaufte 1866 das Anwesen von der Kirche, da diese es nicht mehr nutzen wollten. Was die neuen Besitzer darin fanden war erstaunlich: riesige Berge aus Menschenknochen wurden in dem Beinhaus aufbewahrt, da der nah gelegene Friedhof ständig überfüllt war. Die Schwarzenbergs beauftragten kurzerhand einen Holzschnitzer, der die Inneneinrichtung so kunstvoll wie möglich neu gestalten sollte. Frantièek Rint war der Auserwählte, und er machte sich daran, sämtliche Skelette zu säubern und sie so zu präparieren, dass sie bis heute gut erhalten sind.

Woher kamen die Knochen?

Die Sedlecer Kirche befindet sich im ehemaligen Zentrum eines böhmischen Klosters. Als im Jahr 1278 der Abt Jindrich aus Jerusalem etwas Erde vom angeblichen Kreuzigungsort Jesu mitbrachte und diese auf dem Friedhof verstreute, löste das einen wahren Bestattungstourismus aus. Menschen aus der gesamten Umgebung und sogar aus dem Ausland wollten ihren Verstorbenen ein Grab unter der „heiligen Erde“ schaffen. Hinzu kamen die tausenden Pest-Toten, was dazu führte, dass aus Platzmangel immer wieder Knochen ausgegraben werden mussten und im Ossarium, dem Beinhaus, gestapelt wurden. Irgendwann diente dann auch die Ende des 14. Jahrhunderts erbaute Kirche als Knochenlager.

Die Inneneinrichtung der etwas anderen Art

Das katholische Gotteshaus in der Nähe von Prag ist mit allen üblichen Kirchenutensilien ausstaffiert, nur dass diese aus Menschenknochen bestehen. Überdimensionale Knochengirlanden hängen von der Decke. Aufgefädelte Oberschenkelknochen und Schädel stellen einen grotesken Zierrat dar. Auch der Altar wurde mit Schädeln geschmückt und Kruzifixe aus Gebeinen sind ebenso zu entdecken wie ein Messweinkelch aus Steißbeinen und Gelenken, dem Beckenschaufeln, Wirbel und Arme als Sockel dienen. Am beeindruckendsten dürfte jedoch der riesige knöcherne Kronleuchter gelten, der mit acht prachtvollen Armen versehen ist, an deren Ende jeweils ein Totenschädel als Kerzenhalter dienen. Angeblich soll Rint für dieses Meisterstück alle 206 Knochen des menschlichen Skeletts verbaut haben.