Tempel der Hatschepsut in der Totenstadt Deir el-Bahari

Hatschepsut war eine Pharaonin im Neuen Reich des antiken Ägypten und ihr Totentempel in Deir el-Bahari, in unmittelbarer Umgebung des berühmten Tal der Könige, ist der am besten erhaltene seiner Art auf der westlichen Seite des Nils.

Der Tempel der Hatschepsut gehört daher zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten des nordafrikanischen Landes, zumal er sich in seiner Architektur von anderen in Ägypten erhaltenen Totentempeln stark unterscheidet. Allein die Terrassen, auf denen das Gebäude ruht, sind ungewöhnlich und auch der Bautypus Portikus ist in der antiken ägyptischen Tempelarchitektur nicht sehr verbreitet. Das macht den Totentempel der Hatschepsut zu einem der spannendsten Bauten an den Ufern des Nils und zugleich zum imposantesten Bauwerk, dass die ägyptische Königin in Auftrag gegeben hat.

Tempel der Hatschepsut: Das Alte Ägypten hautnah

Hatschepsut regierte in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts vor Christus knapp 22 Jahre lang als Pharaonin das Neue ägyptische Reich. Ihr Tempel entstand wohl über einen Zeitraum von 15 Jahren während ihrer Regierungsperiode und erhielt den Namen djeser-djeseru (Kurzform), was wahrscheinlich soviel wie „Heiligster der Heiligsten“ bedeutet, obwohl die genau Übersetzung des vollen altägyptischen Namens nicht klar ist.

Der aus Kalkstein errichtete Bau übernahm wohl die Funktion einer Andachtsstätte für die Königin, die ägyptischen Götter und zur Ehrung des Totenkults. Als sogenanntes „Haus der Millionen“ beherbergt es Kultbilder der Pharaonin, der Muttergottheit Hathor, des Totengottes Anubis oder des Sonnen- und Windgottes Amun-Re. Ihnen sind eigene Kapellen im Inneren des Tempels gewidmet, die mit überwältigenden Wandmalereien und Reliefs geschmückt wurden. Außerdem ist eines der Heiligtümer Thutmosis I., dem Vater der Hatschepsut, gewidmet.

Ungewöhnliche Tempelarchitektur in Deir el-Bahari

Auffällig sind aber vor allem die Terrassen und der Portikus, die Besuchern der Tempelanlage bereits von Weitem ins Auge fallen. Traditionellerweise waren Tempel im alten Ägypten eine sehr offene Konstruktion von ebenerdig angelegten Höfen und Säulengängen, mit einem Prachttor am Eingang und einer Kapelle in den Totentempeln. Der Bau der Hatchepsut bringt hier ungewöhnliche Neuerungen in diese klassische Zusammenstellung, der Portikus als Pfeilerhalle bildet den Eingang, hinter dem sich eine Terrassen-Anlage erhebt, die über ein Rampensystem betreten werden kann.

Auf diese Terrassen sind die Höfe und Kapellen errichtet worden, wobei auch die weiteren Eingänge jeweils durch einen Portikus gebildet werden. So wird der Besucher systematisch weitergeführt, beginnend von der etwa 1.000 Meter langen Prozessionsstraße bis in den heiligsten Teil des Tempels. Neben dieser ungewöhnlichen Bauweise ist es vor allem die schiere Größe des Tempels, die ihn für Touristen auch nach mehr als 3.500 Jahren noch interessant macht und bis heute die Erinnerung an Königin Hatschepsut lebendig hält.