Der Tower von London – Von Hinrichtungen zu den Kronjuwelen

Der Tower von London zählt wohl zu den berühmt berüchtigsten Bauwerken der Welt. Einerseits war er Wohnort der englischen Herrscher, andererseits aber auch ein Gefängnis, wo so manche bekannte Persönlichkeiten ihren Tod fanden. Der Tower ist somit auch zum Symbol für Macht und deren Intrigen geworden.

Entlang der Themse zieht sich der faszinierende Komplex aus mehreren Gebäuden, der eine über 900-jährige Geschichte hat. Der Tower war königlicher Palast, Gefängnis, Waffenkammer, Staatsarchiv, Observatorium, Münzprägestätte und natürlich Aufbewahrungsort der Kronjuwelen.

Im Jahr 1078 ließ Wilhelm der Eroberer den sogenannten White Tower bauen, das erste Gebäude des heutigen Towers und somit auch der Grundstein. Er sollte einerseits an Geschenk der Normannen an die frisch eroberte Stadt London sein, aber gleichzeitig sollte er auch die Normannen vor den immer noch erzürnten Londonern schützen. Der White Tower wirkt auf den ersten Blick quadratisch, doch alle vier Seiten sind unterschiedlich lang und so bilden drei der vier Ecken auch keinen rechten Winkel.

In den folgenden Jahrhunderten wurde das Gelände immer mehr erweitert, mit einem Wassergraben und einer Mauer umgeben. Noch heute kann man auf dem Gelände Teile der alten Stadtmauer Londiniums sehen. (Wer fleißig Asterix geguckt hat, weiß, dass Londinium der Name Londons zu Zeiten des Römischen Reiches war. ;-) )

Bis zu Jakob I. wohnten alle englischen Könige und Königinnen dort. Bis dahin war es auch Brauch, dass der König oder die Königin die Nacht vor der Krönung dort verbrachte und dann am nächsten Morgen in einem feierlichen zu durch London nach Westminster ritt.

Und wo auch viel Macht ist, gibt es auch stets viele Intrigen. So mancher Monarch hat sich im Tower seiner unliebsamen Feinde entledigt. Manche kamen wieder frei, viele wurden aber hingerichtet. Den Ort der Hinrichtungen kann man noch heute besichtigen. Hier verloren zwei Frauen von Heinrich VIII. ihren Kopf, Anne Boleyn und Catherine Howard. Hier sperrte auch der Duke of Gloucester, der zukünftige Richard III., seine beiden jungen Neffen (10 und 12 Jahre alt) ein, da sie vor ihm in der Thronfolge standen. Die beiden Kinder wurden nie wieder gesehen. Vermutlich ließ Richard auch sie exekutieren.

Auch die „Neuntagekönigin“ Lady Jane Grey musste ihr Leben hier lassen, nachdem die Tochter von Heinrich VIII., Maria I., die Krone übernommen hatte. Sie ließ auch für kurze Zeit ihre Schwester Elisabeth inhaftieren, die aber wieder frei kam und dann nach Marias Tod selbst Königin wurde. Und auch Sir Walter Raleigh saß hier ein. Man könnte noch etliche berühmte Namen aufzählen.

Auch im Zweiten Weltkrieg wurde der Tower als Gefängnis genutzt. Der letzte Insasse war übrigens Hiters Stellvertreter Rudolf Heß.

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Fast alle Gefangenen wurden symbolisch durch das berühmte Traitor’s Gate (Verrätertor) in den Tower geführt. Durch dieses Tor wird auch heute noch die Schlüsselzeremonie durchgeführt, die auch Edgar Wallace in einem seiner Bücher („Das Verrätertor“) verewigt hat. Diese feierliche und immer gleich ablaufende Übergabe des Schlüssels an den nächsten Wachposten ist eine der ältesten kontinuierlich durchgeführten (seit den Tudors) Zeremonien der Welt. Man kann an ihr kostenlos teilnehmen. Nur muss man sich bereits 3 Monate vorher anmelden (manchmal reichen auch acht Wochen ;-) ).

Von 1235 bis 1835 war im Tower von London auch eine Menagerie mit Elefanten, Löwen, Affen etc. Diese Tiere wurden meist den Herrschern als Geschenk mitgebracht. Je exotischer, desto besser. Man konnte die Tiere auch besichtigen.

Natürlich kann man als Besucher auch die berühmten Kronjuwelen sehen.

Über den Tower könnte man noch so viele Geschichten und Legenden erzählen. Am besten ist man schaut sich dieses faszinierende und auch ein wenig gruselige Stück Geschichte selbst an.

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