Wall Street und Financial District in New York- Der Pleite-Tourismus hat Hochkonjunktur

Jeder ist zutiefst erschüttert und bewegt von der momentanen Finanzkrise. Da hat unser doch so hochgeschätztes System mal einen ordentlichen Dämpfer verpasst bekommen… Doch je mehr die Börse und das Finanzsystem in den USA abstürzen, desto mehr Touristen wollen plötzlich den Financial District in Manhattan, New York City, sehen.

Vielleich ist das ja ein bisschen wie bei einem Autounfall, wenn viele Schaulustige und Gaffer stehenbleiben und ihre Augen nicht vom Ort des Geschehens lassen können. Für manche, so auch bei mir, schwingt einfach eine große Portion Schadenfreude mit. Doch egal ob nun Pleite oder nicht, der Financial District und allen voran die Wall Street sind auch so ziemlich sehenswert. ;-)

Der südöstliche Teil Manhattans bildet den Financial District. Hier befindet sich im Grunde das finanzielle Zentrum der USA. Zahlreiche Finanzunternehmen und Anwaltskanzleien haben hier ihren Sitz. Zudem noch natürlich die Börse New York Stock Exchange und das Verlagshaus Dow Jones, das regelmäßig den gelichnamigen Aktienindex veröffentlicht.

Das Zentrum des historischen Teils des Financial Districts ist wohl unbestritten die Wall Street. Diese Straße ist Heimat vieler Banken und natürlich der eben erwähnten Börse, die in diesen Tagen wohl am meisten im Fokus der Öffentlichkeit steht. Direkt vom Broadway verläuft die Straße bis zur South Street. Die Wall Street gehört zu den berühmtesten Straßen weltweit, da sie mittlerweile dem gesamten amerikanischen Finanzwesen ihren Namen gegeben hat.

Schon von weitem kann man die bombastische Architektur erkennen und man sieht allein schon an den Häusern wie viel Geld hier fließen muss. Und so wie einst die weißen Besatzer den Indianern die Insel Manhattan für eine Hand voll Glasperlen abkauften, so fühlen wir uns momentan wohl im Angesicht dieses Symbols der finanziellen Macht.

Und dies haben sich einige windige Touristenführer gleich zunutze gemacht. Sie bieten „Pleite-Führungen“ durch die Häuserschluchten des Financial Districts an. Um das Gebäude der Lehman Bros. musste sogar ein großer Zaun errichtet werden, weil tagtäglich so viele Menschen kommen um Fotos zu schießen oder ihren Unmut anhand der Finanzpolitik kund zu tun. Ein Künstler hat vor dem Gebäude ein großes Porträt des Chefs der Bank, Richard „Dick“ Fuld, aufgestellt, auf dem man eine Nachricht hinterlassen kann. Und das Wort „Gier“ kommt dabei wohl am häufigsten vor.

Und auch die Börsianer sind momentan sichtlich von den Besuchern genervt, da jeder gerade zu dieser Zeit ein Foto von ihnen machen möchte. Eine Form von Sensationsgier, die ich gerne billige… ;-)

Ich muss ja sagen, dass hier der Tourismus auf tolle Weise mit dem Protest verschmilzt. So zeigt man den Bankern, dass die Leute, die sie seit Jahren abzocken ein Gesicht haben und dass wir uns nicht einfach von ihnen herumschubsen lassen… Also auf zum Tourizentrum Wall Street!

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